Interessantes von der Lehranstalt für Schweinezucht Boxberg (Baden-Württemberg)

Stand: 10/22/2007
Autor: Detlef Groß, DLR Westerwald-Osteifel

Die Fortbildung für Schweinefachberater der DLR und des VSR fand im September an der neu errichteten Lehranstalt für Schweinzucht in Boxberg statt. Das Land Baden-Württemberg hat hier für insgesamt 22,5 Mio. € ein Bildungs- und Wissenszentrum für Schweinehaltung und –zucht errichtet. Tierbestand: Eine konventionell gehaltene Sauenherde mit 168 Sauen, Aufzucht und 640 Mastplätzen sowie 84 Sauen mit angeschlossener Mast in alternativen Haltungssystemen. Hinzu kommt die Mastprüfungsanstalt mit ca. 1.200 Plätzen.





Auch die Schweine-Spezialberater Werner Geißler und Rudolf Wiedmann, bekannt aus Vortragsveranstaltungen in unserem Raum, arbeiten nun in Boxberg.
Details verbergen für Hier einige interessante Details von der Besichtigung:Hier einige interessante Details von der Besichtigung:

Poren-Lüftung: In den Stall-Abteilen mit Porenlüftung waren keine Kanäle an der Decke angelegt, sondern die ganze Decke war im Karomuster abwechselnd mit Lüftungsporenplatten versehen. Dies führt nach Aussage von Herrn Geißler zu geringeren Turbulenzen beim Hereinströmen der kälteren Zuluft in den Tierbereich und die Luftverteilung wird besser.



Unterflur-Zuluft: Hiermit lässt sich eine sehr ausgeglichene Stalltemperatur erreichen. Denn im Sommer strömt die warme Zuluft durch die kühlen Kanäle unter Zentralgang und Treibgang, im Winter wird die kalte Zuluft hierbei angewärmt. Wichtig ist ein tiefer Gang (1,80m), wodurch der Querschnitt erhöht wird, damit die Zuluft nur mit niedriger Geschwindigkeit (mit 1 m/s rechnen!) ruhig durch den Kanal strömt. Mit Heizplatten an den Wänden des Unterflur-Kanals wird eine Zulufterwärmung erreicht. Im Treibgang muss der Schlitzanteil hoch sein (Ferkelspalten), damit es zu einer guten Luftverteilung im Abteil kommt. Diese Unterflur-Zuluftführung braucht nicht mehr Energie, da durch die geräumigen Zuluftkanäle nur geringe Strömungs-Widerstände auftreten.


Lediglich die Y-Ableitungen der Güllerohre, die dann unter dem Zentralgang (=Zuluftgang im Keller) liegen, verteuern die Sache etwas.



Heizstrahler an Wand oder in der Abdeckung: Dunkelstrahler, die unter einer Abdeckung als Zonenheizung den Ferkelliegebereich aufheizen sollen, z.B. FISTA-Platten oder Wasta-Platten sowie solche an der Wand eines Warte- oder Deckstalls zum Vorheizen der Spalten geben als Heizkörper Wärme an die Raumluft ab. Wichtig: Strahlungswärme, die direkt den Fußboden oder die liegenden Ferkel erwärmt, entsteht erst bei einer Vorlauftemperatur von mind. 65 oC. Deshalb nicht zu viele Strahler an einen Wärmestrang anschließen. Da Betonspalten eher die Wärme speichern können, empfiehlt Herr Geißler bei Ferkelaufzuchtabteilen mit kombinierten Fußböden aus Kunstoffrosten und Betonspalten diese unter der Abdeckung zu verlegen.





Sauen-Herkünfte: In Boxberg werden verschiedene Kreuzungen eingesetzt, z.B. wird mit einer Anpaarung DL x Leicoma zunächst eine F1 und dann mit einem Large White – Eber die Kreuzungssau erstellt. Leicoma ist eine in der DDR entstandene Rasse, die Sauen sind sehr fruchtbar, fressen aber viel und die Mastendprodukte passen nicht in jede Vermarktung.



Ferkelfütterung: Laut Herrn Geißler hat man gute Erfahrungen mit einem TwinFeeder der Firma WEDA gemacht. Bei dieser Fütterungstechnik erfolgt die Futterzuführung trocken, kleine Trockenfuttermengen werden dann aus dem Vorratsbehälter in den Trog ausdosiert. Die Zusammenführung von Wasser und Futtermittel erfolgt im Trog. Dabei ist das Mischungsverhältnis wählbar und die Steuerung der Futtermengen ist zeit- und sensorkontrolliert. Der TwinFeeder kann auch an die vorhandene Flüssigfütterung gekoppelt werden, wird aber in Boxberg mit Trockenfutter betrieben. 80 bis 100 Tiere können pro Automat gefüttert werden bei einem Fressplatzverhältnis von 3,5-5 :1. Die Investitionskosten liegen mit 16 bis 20 Euro/Fressplatz etwas höher als bei anderen Automaten.



Die Flüssigfütterung von Ferkeln wird in Boxberg nicht empfohlen, da die Tiere durch zu niedrige Festfutteraufnahme zuwenig Energie erhalten. Am Kurztrog mit Sensor entsteht zudem bei den Fütterungen sehr viel Gedränge, kleinere Tiere bekommen zuwenig Futter und die Gruppe wächst sehr stark auseinander.



Ferkelaufzucht: Als guten Kunststoffboden kann man in Boxberg ein Fabrikat der Firma Nooyen empfehlen. Der kunststoffummantelte Streckmetallrost ist kostengünstiger als ein Tenderfoot-Boden, hat aber zwei Drähte unter dem Kunststoff und ist deswegen haltbarer. Vom Personal gelobt wird, dass er gegenüber Kunststoffrosten besonders leise ist und gut zu reinigen (es spritzt nichts entgegen).



Neubau eines Aufzuchtstalles: Durch die gestiegenen Baukosten betragen die Kosten je Flatdeckplatz ca. 250 Euro bei 2000 Aufzuchtplätzen – bei kleineren Einheiten sogar 270 bis 300 Euro/Platz!
    Börge kann man auch am Rohrbreiautomaten rationieren, indem ab 80 kg nur noch morgens Futter für den ganzen Tag gegeben wird. Dazu müssen die Börge aber ein eigenes Abteil haben, weil sonst zu den anderen Fütterungszeiten der weiblichen Tiere zuviel Unruhe entsteht.
    Breiautomat
    Börge müssen bei AutoFOM-Klassifizierung schwerer vermarktet werden, damit sie die nötigen Schinken- und Lachsgewichte erreichen. Das kostet viel teures Futter. Trotzdem schneiden sie in den Indexpunkten schlechter ab als die weiblichen. Wenn man also die Möglichkeit einer anderen Vermarktung hat (Partiegröße!), sollte man die Börge also besser an einen Schlachthof mit FOM-Klassifizierung und einer Verarbeitungs-Preimaske liefern.
    Schlachtung
    Ansonsten kann man nach Erfahrungen aus Baden-Württemberg recht gut mit Hilfe eines selbst angefertigten Messbügels abschätzen, ob die Tiere die bei der Auto-FOM-Vermarktung für die Indexpunkte so wichtigen nötigen Mindestgewichte beim Schinken erreicht haben. Mit einem Messbügel als Schablone wird dabei der Schinken der Tiere vermessen, bei mind. 36,0 cm Schinkenbreite bei männlichen Tieren und mind. 35,0 cm bei weiblichen Tieren kann man je nach Genetik davon ausgehen, dass die Tiere ein Schinkengewicht von mind. 16 kg erreichen und auch die Lachsgewichte (mind. 6,2 kg) stimmen.
          Details verbergen für FerkelaufzuchtFerkelaufzucht
          An die Ferkel wird am 1. bis 3. Tag eine Elektrolyt-Eisen-Säure-Lösung gegeben. Dies beugt einigen Problemen vor. Als gutes Beschäftigungsmaterial haben sich in Boxberg Kunststoffschläuche oder einfache Hanfseile zum Verbeißen bewährt.
          SpielmaterialSpielmaterial
          Zum Ausstallen wird in Boxberg ein Prototyp einer Ferkelsortieranlage getestet, die automatisch die Ferkel nach Gewicht sortiert mit einem Durchsatz von 400 Ferkeln in 30 Minuten. Kosten des Prototyps: 30.000 Euro.
          Ferkelsortiermaschine
          Details verbergen für SauenhaltungSauenhaltung
          Die Abferkelbuchten sind 2,50 m x 1,90 m groß. Empfohlene Fußböden: Gussroste unter der Sau, kunststoffummantelte Streckmetallböden im Ferkelbereich. Kippbarer Sauentrog. Baukosten durch gestiegene Materialpreise: ca. 3.000 Euro pro Sauenplatz ohne Aufzucht.
          AbferkelbuchtAbferkelbuchtAbferkelbucht
          Interessant im alternativen Haltungsverfahren war eine Sauensuhle im Wartestall. Der Auslauf war mit Spaltenboden ausgelegt, davon ist ein Teil tiefer gelegt. Über 2 Stufen gelangen die Sauen in diesen Bereich. Dort steht im Sommer 15 cm hoch Wasser über den Spalten, so dass sich die Sauen suhlen können. Unter dem Spaltenboden sind noch 30 cm Tiefe. Wasserwechsel erfolgt wöchentlich oder bei Bedarf früher. Die Suhle ist im Sommer immer besetzt. Effekte: Sauen fühlen sich sehr wohl und haben sehr saubere Klauen. Keine Parasitengefahr durch Spaltenboden.
          Sauensuhle





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