Pflanzendrinks - empfehlenswert oder überflüssig?

Stand: 11/29/2012 12:00:00 AM
In den Regalen wächst das Sortiment an milchähnlichen Getränken, die aus verschiedenen Pflanzen hergestellt werden. Während diese Produkte bis vor einiger Zeit als spezielle Lebensmittel für Allergiker und Menschen mit Laktoseintoleranz angeboten wurden, fühlen sich nun auch Vegetarier und einfach an Gesundheit interessierte Menschen angesprochen. Die Produkte dürfen per Gesetz nicht als „Milch“ bezeichnet werden, daher nennen sich die meisten „Drink“.
Wie werden diese Erzeugnisse hergestellt und wie sind sie zu bewerten?


Herstellung

Grundlage der pflanzlichen Milchalternativen sind:
  • Getreide (Hafer, Dinkel, Gerste, Rundkornreis)
  • Soja
  • Mandeln.

Für die Herstellung von Drinks auf Getreidebasis werden die Körner grob gemahlen, eingeweicht, gekocht und fermentiert. Dabei bauen die zugesetzten Enzyme (Amylasen) die Stärke zu Mehrfachzuckern ab. Danach wird gesiebt und abgefiltert. Salz wird zur geschmacklichen Abrundung zugefügt, ebenso Sonnenblumenöl oder Rapsöl, um eine milchähnliche Konsistenz zu erreichen. Hinzu kommen weiterhin Emulgatoren (z.B. Rapslecithin), damit sich Fett- und Wasserphase nicht entmischen. Das Erzeugnis wird homogenisiert, damit sich die Inhaltsstoffe fein verteilen.
Drinks aus Getreide, insbesondere Hafer, haben ein angenehmes Mundgefühl und schmecken vollmundig und leicht süß.

Sojadrinks werden ohne Enzymzusätze hergestellt. Die Bohnen werden geschält, eingeweicht, gemahlen, gekocht und von den Feststoffen getrennt. Sojadrinks schmecken wenig süß und gelten als eher wässrig.

Ersatzmilch aus Mandeln entsteht, wenn die Früchte geschält, geröstet, gemahlen, mit Wasser verrührt und erhitzt werden. Für den Geschmack werden Salz und Süßungsmittel hinzugefügt.

Alle Produkte werden zur Haltbarmachung ultrahocherhitzt.


Ernährungsphysiologische Bewertung

Lediglich Sojadrinks sind reich an pflanzlichem Eiweiß. Sie besitzen mit drei bis vier Gramm je 100 ml in etwa so viel Eiweiß wie Kuhmilch. Deutlich weniger ist in Mandeldrinks und in Getreidedrinks. So enthalten 100 ml Mandeldrink 0,9 Gramm Eiweiß, Reistrunk sogar nur 0,1 bis 0,3 Gramm je 100 ml.

Auch hinsichtlich anderer Nährstoffe können die Pflanzendrinks gegenüber der Milch nicht mithalten. Das gilt besonders für Calcium. Aus diesem Grund setzen viele Hersteller den Produkten Calcium zu, manchmal auch noch die Vitamine B2, B12 und Vitamin D.

Geworben wird mit dem niedrigen Fettgehalt. Das gilt allerdings nur im Vergleich zur Vollmilch. Bei fettarmer Milch (1,5% Fett) ist der Fett- bzw. Kaloriengehalt ähnlich.
Milchersatzprodukte enthalten kein Cholesterin.

Die Produktvielfalt ist enorm gestiegen. Die Drinks sind nicht nur „natur“ im Angebot, sondern in Geschmacksvarianten wie Vanille, Schoko, Banane oder Macchiato. Das hat nicht unerhebliche Zusätze an Zucker, Aromen und Stabilisatoren zur Folge.
Zwar stammt bei den Getreidedrinks ein Teil des Zuckers aus dem natürlichen Abbauprozess der Stärke, aber der Blick auf die Zutatenliste weist u.a. Maissirup, Rohrohrzucker, Agavensirup oder Maismaltodextrin aus.
Beispiele
  • Sojadrink Vanille: 7,7 g Kohlenhydrate, davon 7,1 g Zucker in 100 ml
  • Haferdrink Choco: 14,3 g Kohlenhydrate, davon 11,7 g Zucker in 100 ml
Mit einer Portion von 250 ml kommt ein Erwachsener damit schnell auf 30% der täglich maximal empfohlenen Zuckermenge. Nur ungesüßte Pflanzendrinks sind demnach kalorienärmer als Milch.




Ökologische Bewertung

Tierische Lebensmittel, auch die Milch, gelten als klimaschädlich. Pflanzendrinks sind allerdings ebenso kritisch zu sehen. Die Rohstoffe für die Ersatzmilchen sind häufig importiert und haben eine lange Reise hinter sich.
Pflanzendrinks sind i.d.R. hochverarbeitet. Der mehrstufige Produktionsprozess ist sehr energieaufwändig.
Die Erzeugnisse werden in der Regel in Tetrapaks angeboten, was zu entsprechendem Verpackungsmüll führt.
Es ist festzustellen, dass einzelne Hersteller auf die Ökobilanz ihrer Produkte achten.


Fazit

Für alle, die Milch nicht vertragen (Allergiker, Menschen mit Laktoseintoleranz) oder bewusst darauf verzichten (Veganer), haben Milchersatzprodukte ihre Berechtigung und vermitteln das Gefühl, etwas Milchähnliches zu genießen.

Wer allerdings ohne solche Gründe durch den Kauf von Pflanzendrinks meint, „etwas Gutes für die Gesundheit“ zu tun, der sei auf den möglicherweise hohen Zuckergehalt und die Zusatzstoffe hingewiesen. Es gibt bessere und preiswertere Möglichkeiten, eine vollwertige Ernährung unter besonderer Berücksichtigung von Getreide und Hülsenfrüchten zusammenzustellen.


Quellen





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